Die österreichischen Ärztekammerwahlen waren wohl noch nie zuvor so bedeutungsvoll wie in diesem Frühjahr. In jedem Bundesland haben sich ÄrztInnen, die mit der Kammerpolitik der letzten Jahre nicht einverstanden waren, zu neuen Wahllisten zusammengefunden. Zentrale Themen der neuen Listen: die freie Berufsausübung ohne Druck, das Wohl der Patienten im Mittelpunkt und eine parteilose Standespolitik. – Und sie sprechen jetzt in den meisten Landesärztekammern mit:
Die Freien Ärzte Tirols erreichten gleich 3 der insgesamt 49 Mandate. Die absolute Mehrheit konnte auch diesmal wieder der Verein unabhängiger Tiroler Ärzte sichern. Aber immerhin: Der neue Tiroler Ärztekammerpräsident Stefan Kastner hat laut eigener Aussage im Umgang mit der Corona-Politik „mit einem differenzierten Kurs Akzeptanz gefunden“.
Die Liste MFG erreichte im Burgenland eines von 31 Mandaten und in Niederösterreich 4 von 53 Mandaten. In Oberösterreich kam die Liste „Ärzte für Ärzte“ mit einem ähnlichen Wahlprogramm auf 4 von 45 Mandate. Die erstmals in Kärnten angetretene Liste freier Ärztinnen und freier Ärzte landete mit zwei von 26 Mandaten auf Platz 4. Und in Salzburg tritt die Liste „Zukunft Medizin“ für eine Medizin ein, in der der Mensch wieder im Mittelpunkt steht – und erhielt 3 von 33 Mandaten.
In Wien konnte die MFG Liste Christian Fiala auf Anhieb 6 von 90 Mandate erreichen. Bei den niedergelassenen Ärzten hat die MFG sogar das Team Szekeres von Platz 2 verdrängt. Die Wahlgemeinschaft Ärzte für Ärzte – Wiener Mittelbau erreichte 17 Mandate und die Liste Integrative Medizin und Liste Wahlärzte Wien jeweils ein Mandat. Als Sieger ging mit 26 Mandaten die Liste Steinhart hervor, die durch Koalitionsverhandlungen mit anderen Listen diesmal wohl den Wiener Kammerpräsidenten stellen wird. Damit wäre automatisch auch Szekeres‘ Platz als Präsident der Österreichischen Ärztekammer wieder frei.
Wer diesen Platz einnehmen wird, werden die neun Landespräsidenten am 24. Juni entscheiden.

