Kurzfassung des Vortrags von Dr. Sharon Tagwerker beim GESUNDE ZUKUNFT KONGRESS Vorarlberg 2025
Unsere Kinder leiden immer häufiger an wiederkehrenden Infekten, Ekzemen, Unruhe, Schlafstörungen und vielen weiteren, zum Teil recht eigentümlichen Symptomen. Eine der Ursachen ist oft ein Nährstoffmangel. Wie es dazu kommen kann – bei einem vermeintlichen Überangebot an Lebensmitteln – erklärt Dr. Sharon Tagwerker.
Dr. med. Sharon Tagwerker ist Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Allgemeinmedizin, Ärztin für traditionelle chinesische Medizin. 9 Jahre Kinderintensivstation, Mitarbeit im Infektionsteam Vorarlberg, Corona-Hotline. Seit 2017 in eigener Praxis in Bludenz.
Die Kinderärztin Dr. Sharon Tagwerker beobachtet in ihrer Praxis seit vielen Jahren, dass ein Großteil der Kinder, die zu ihr kommen, unter massivem Nährstoffmangel leiden. Ein ausführliches Blutbild mit Vollblutmineralanalyse gehört daher häufig zu ihrer Diagnosestellung dazu. Die Ergebnisse sind immer wieder besorgniserregend. Denn die Dysbalance der Vitalstoffe ist in vielen Fällen eklatant und macht sich bei den kleinen (und größeren) Patienten nicht nur körperlich, sondern auch psychisch bemerkbar– weshalb die Eltern ihre Kinder ja auch zur Kinderärztin bringen. Mit gezielter Supplementierung können auch massive Symptome wieder verschwinden.

Woher kommt dieser Mangel?
Laut Studien essen Kinder und Jugendliche zwar viele Fleischprodukte, der Großteil davon sind allerdings minderwertige Würstel. Und während konstant zu wenig Gemüse auf dem Teller landet, konsumieren sie viel zu viele Soft Drinks und große Mengen an Schokolade. Das ist aber nicht alles: Auch wer viel Gemüse isst, hat nämlich keine Garantie, ausreichend Nährstoffe zu bekommen. „Der Nährstoffgehalt in unseren Lebensmitteln nimmt immer mehr ab“, erklärt Dr. Tagwerker. Die Böden der Landwirtschaft sind ausgelaugt, Pflanzenschutzmittel vermindern die Bildung von Antioxidantien, Früchte und Gemüse werden vor der Reife geerntet und enthalten dadurch weniger Flavonoide, … So enthielt zum Beispiel Spinat im Jahr 2002 nur noch ein Viertel der Menge an Magnesium wie im Jahr 1985.
Nährstoffe, die uns oft fehlen
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Zink:
Das Spurenelement Zink ist ein Co-Faktor für über 300 Enzyme. „Ohne Zink geschieht kein Wachstum“, so Dr. Tagwerker. Kinder brauchen Zink unter anderem für die Gehirnentwicklung, aber auch für das Immunsystem, die Neurotransmitter und den Hormonstoffwechsel. Daneben ist Zink essenziell für die Entgiftung! Zu den Hauptsymptomen bei Zinkmangel gehören chronische Müdigkeit und Appetitlosigkeit. „Ich nehme viel Blut ab im Vergleich zu anderen Kinderärzten. Und ich hatte bisher nur zwei Befunde, wo Zink im niedrigen normalen Bereich lag. Bei allen anderen war viel zu wenig Zink vorhanden.“
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Vitamin D3:
„Nur 10 Prozent der Wiener Kinder haben einen ausreichend hohen Vitamin-D3-Spiegel”, so Dr. Tagwerker. Das Vitamin ist unter anderem für die Regulierung des Immunsystems zuständig – also nicht nur zur effektiven Infektbekämpfung, sondern auch zur Dämpfung von Autoimmunerkrankungen! Vitamin D stärkt aber auch die Herzleistung und reduziert das Krebsrisiko. Ein Mangel zeigt sich zum Beispiel durch erhöhte Infektanfälligkeit und depressive Verstimmung. In unseren Breiten muss laut Dr. Tagwerker Vitamin D3 praktisch immer supplementiert werden. Auch eine Ultrahochdosierung kann in Einzelfällen hilfreich sein – diese darf allerdings nur mit speziell dafür ausgebildeten Ärzten angewendet werden, um die Nieren nicht zu schädigen.
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Bor:
Bor ist als nicht lebensnotwendiges Mineral eingestuft und darf daher von Ärzten offiziell nicht für Kinder und Schwangere verschrieben werden. Doch es wird möglicherweise unterschätzt: Bor reguliert den Calcium-, Magnesium- und Vitamin-D-Stoffwechsel, wirkt antientzündlich und ist wichtig für die Erinnerungsfunktion. Ein Bormangel kann dementsprechend Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen verursachen. Der tägliche Bedarf liegt bei 2 Milligramm, allerdings leben wir laut Dr. Tagwerker in einem Bor-Mangelgebiet – eine Supplementierung könnte daher notwendig sein.
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Lithium:
Was derzeit über Lithium bekannt ist, basiert auf Erfahrungswissen (siehe Dr. Michael Nehls) und ist schulmedizinisch (noch) nicht anerkannt: Lithium ist für unser geistiges und körperliches Immunsystem wichtig. Es sorgt dafür, dass wir auch als Erwachsene neue Hirnzellen bilden können und reduziert Entzündung im Gehirn.
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Aminosäuren:
Sie sind der Baustoff von allen unseren Botenstoffen, Hormonen, Enzymen, Muskulatur … Veganer sollten daher ausreichend Protein zu sich nehmen und auf keinen Fall Fleisch einfach mit Kohlehydraten ersetzen. Ein Mangel zeigt sich unter anderem in ständiger Müdigkeit oder Schilddrüsenunterfunktion.
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Omega-3-Fettsäuren:
Sie sind vor allem in Fisch enthalten. Bei Mangel an Omega-3-Fettsäuren sinkt der Serotonin-Spiegel, was Depressionen begünstigt. Eine Supplementierung ist bei einer typischen europäischen Ernährung auf jeden Fall angezeigt.

Ungesunde Zusatzstoffe in unserer Ernährung
Laut Dr. Tagwerker unterschätzen vor allem junge Leute oft die vielen schädlichen Zusatzstoffe in ihrer Ernährung.
Was unbedingt zu vermeiden ist:
- Aspartam wird zum Beispiel sehr oft in Kaugummis und Light-Getränken verwendet, weil es im Geschmack dem Zucker sehr ähnlich ist. Studien stellen Zusammenhänge mit psychischen Auffälligkeiten, Degeneration von Hirnzellen, ADHS etc. fest. Ein Lightgetränk pro Tag erhöht auch das Risiko für Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Pestizide werden in der konventionellen Landwirtschaft großzügig verwendet, es gibt allerdings keine Studien darüber, wie die unterschiedlichen Pestizide miteinander wirken.
- Glyphosat ist für Tiere krebserregend, was vermuten lässt, dass dieses Gift auch für uns Menschen schädlich ist. Daneben wird vermutet, dass es auch Autismus, Alzheimer, Schizophrenie und Angststörungen fördert. Man weiß, dass sich Glyphosat mit Aluminium verbindet: Der Komplex kommt schneller durch die Blut-Hirn-Schranke und vermindert die Entgiftungsleistung der Leber und vieles mehr. – Ein Teufelskreis.
- Schwermetalle belasten uns alle und erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Krebs, Bluthochdruck, Autoimmunerkrankungen und Sterblichkeit. Für deren Entgiftung braucht man viele Nährstoffe, die auch vorübergehend supplementiert werden sollten. Auch Babys können bereits im Mutterleib die Schwermetallbelastung der Mutter „übernehmen”.
- Zucker führt zu einem vermehrten Verbrauch von B-Vitaminen (B1, B2, B3 und B6). „Für den Zuckerstoffwechsel braucht man B-Vitamine”, erklärt Dr. Tagwerker. „Kinder haben ohnehin schon einen Mangel an B-Vitaminen. Wenn sie jetzt noch ein ganzes Packerl Zuckerl essen, kann man sich vorstellen, was daraus wird.“ – Konzentrationsstörungen zum Beispiel, Hyperaktivität und erhöhte Impulsivität. Insgesamt wirkt raffinierter Zucker pro-entzündlich!
Immer im Fokus: Das Mikrobiom
Je gesünder die Darmflora ist, desto leistungsfähiger ist das Immunsystem. Dazu braucht es eine hohe Diversität von Bakterien und Viren, die aber mit unserem Essverhalten nur schwer zu erreichen ist. Das Gleichgewicht im Mikrobiom wird zum Beispiel gestört durch Glyphosat, Zucker und ungesunde Fette. „Zucker führt zielgerichtet zu einer Dysbiose, in Kombination mit ungesundem Fett noch rascher.“
Wenig bekannt: HPU/KPU
Hämopyrrollaktamurie (HPU) ist eine Stoffwechselvariante, die 10 Prozent der Frauen und ein Prozent der Männer betrifft und genetisch bedingt ist. Kryptopyrrolurie (KPU) wird hingegen durch Schwermetallvergiftung, Infektionen oder Verletzung versursacht. Bei beiden handelt es sich um eine Störung der körpereigenen Entgiftung mit einer langen Liste an möglichen Symptomen. Betroffene haben einen extrem hohen Verbrauch von Zink, Mangan und Vitamin B6 zur Entgiftung des fehlgebildeten Häm-M. „Diese Störung ist schulmedizinisch nicht anerkannt, aber sie wird komischerweise besser, wenn man sie behandelt”, so Dr. Tagwerker.
Fazit
Es gibt einige Nährstoffe, die man derzeit auf jeden Fall ergänzen muss, meint die Kinderärztin. „Prinzipiell bin ich aber nicht der Meinung, dass das ein Dauerzustand sein sollte. Bis wir aber die Politik so weit haben, dass die Wirtschaft wieder für uns da ist und wir wieder eine normale Nahrungsmittelindustrie und Landwirtschaft haben, wird es noch eine Weile dauern. Bis dahin muss man mit Nahrungsergänzungsmitteln arbeiten. Aber man muss darauf achten, dass sie hochwertig sind und nicht ebenfalls Giftstoffe oder irgendwelche E-Nummern enthalten.“
Den gesamten Vortrag streamen (Unkostenbeitrag € 10):
vorarlberg-tag2: Sharon Tagwerker, Verhungern bei vollem Teller


