Fallbericht: Akute Psychose bei Anti-NMDAR-Enzephalitis nach der 1.Pfizer-Impfung (Nov. 2021)
Eine Anti-N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor (Anti-NMDAR)-Enzephalitis ist eine Autoimmunerkrankung mit komplexen neuropsychiatrischen Syndromen. Sie wird mit verschiedenen Viruserkrankungen aber auch verschiedenen Impfungen in Verbindung gebracht.
Vorstellung einer bisher gesunden Frau „in den Zwanzigern“ in einer Notaufnahme wegen häufigen Harndrangs. Von der Familie war zu erfahren, dass die Patientin seit kurzem unter zunehmenden Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Konzentrationsstörungen litt und davon überzeugt war, an einer Darm- oder Nierenerkrankung zu leiden bzw. dass ihr Körper versagen würde. Sie hatte vor 1 Woche ihre 1. Pfizer-Impfung erhalten. Blut- und Harnuntersuchung ergaben unauffällige Befunde. Die Patientin wurde mit der Anweisung, sich bei Bedarf an ihren Hausarzt zu wenden entlassen.
Bereits am nächsten Tag wurde sie neuerlich in der Notaufnahme vorstellig und klagte zusätzlich über akustische Halluzinationen. Aufgrund erhöhter Blutdruck- und Herzfrequenzwerte wurde die Patientin zur Observanz aufgenommen. Am folgenden Morgen entkleidete sich die Patientin und hatte Stuhlgang auf dem Boden. Sie wurde auf eine psychiatrische Station übernommen. Trotz Therapie-Versuchen mit verschiedenen Antipsychotika verschlechterten sich die psyiatrischen Symptome zunehmend. Schließlich musste die junge Frau nach einem epileptischen Anfall auf die Intensivstation verlegt werden. Die Patientin entwickelte eine zunehmende Katatonie. In den weiteren Untersuchungen fand sich eine Enzephalitis ohne infektiösen oder paraneoplastischen Auslöser mit erhöhtem Anti-NMDA-Titer im Liquor. Als Auslöser vermuten die Autoren die kürzlich erfolgte SARS-CoV2-Impfung mit folgender Autoimmun-Enzephalitis. Unter einer intravenösen Immunglobulin- und Kortison-Therapie kam es zu einer vorübergehenden Symptombesserung. Nach einer neuerlichen Verschlechterung wurde eine Plasmapherese durchgeführt und die Patientin erhielt Rituximab (eine immunsuppressive Therapie mit monoklonalen Antikörpern), worauf es zu einer anhaltenden Besserung kam. Die Patientin konnte nach 45 Tagen mit leichten neurologischen Defiziten nach Hause entlassen werden.
Die Autoren betonen die Wichtigkeit, bei neu aufgetretenen psychiatrischen Symptomen mit unklarem Auslöser auch eine Impf-Anamnese durchzuführen.

