Nahrung als biopsychosoziale Quelle von Gesundheit und Lebensfreude

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von Mag. pharm. Karin Hofinger, „Küchen-Apothekerin“, Kochbuch-Autorin, Ernährungsberaterin und Mitglied des klinisch-fachlichen Beirats der Wissenschaftlichen Initiative Gesundheit für Österreich
Essen ist ein komplexes, ganzheitliches Geschehen. Zum regelrechten Lebenselixier wird die Ernährung daher erst bei Beachtung von drei Ebenen: Lebensmittelqualität, Ausgewogenheit und bewusster Genuss! Nur ein in diesem Sinne vollwertiges Essen macht anhaltend satt und zufrieden, vermindert Energietiefs, Heißhunger, Übergewicht und kann die Regeneration und Therapie bei vielen Erkrankungen optimieren. Eine bewusste Ernährung birgt daher die große Chance, mehrmals täglich – bei jedem Essen – Körper, Geist und Seele im wahrsten Sinne des Wortes zu nähren, statt mit achtlosem, unausgewogenem oder maßlosem Essen nur vordergründig zu sättigen oder gar zu belasten. Das möchte dieser Artikel kurz beleuchten und motivieren, den beschriebenen Aspekten im Selbstversuch mit allen Sinnen nachzuspüren und in ehrlicher Selbstbefragung auch kognitiv zu verifizieren – auf biologischer, psychologischer und sozialer Ebene.
„Du bist, wie du isst – kultiviere daher bewussten Genuss und gönne dir Urlaub am Esstisch.“
Ein bewusstes, entspanntes Essen ist eine der primären Gesundheitsquellen im Alltag, eine genüssliche Auszeit mit ganzheitlichem Auftanken. Ein köstliches, wertvolles und ausgewogenes Vitalgericht nährt seelisch, geistig und körperlich mit einer Fülle an Nährstoffen, vielfältigen Sinneseindrücken und Gefühlen. Positiv verstärkt wird dies durch eine angenehme Atmosphäre und gute Gesellschaft am Esstisch. Umgekehrt negativ: Wenn wir beim Essen gedanklich auf unseren Problemen herumkauen, es zu schnell oder achtlos nebenbei hineinschieben, gehen positive psychosomatische Effekte verloren und auch Verdauungsprozesse werden beeinträchtigt. Hingegen belohnt ein achtsamer Genuss mit wohliger Sättigung, guter Energie, anhaltendem Wohlbefinden, gesteigerter Vitalität, stressfreiem Gewichthalten, erleichtertem Abnehmen und kann einen wesentlichen Beitrag zur Vorbeugung oder sogar positiven Beeinflussung von ernährungsbedingten Stoffwechselerkrankungen leisten.
„Du bist, was du isst und verdaust – gönne dir beste, nährstoffdichte, natürliche Lebensmittel und komponiere daraus ausgewogene Vital-Gerichte in zu dir passenden, moderaten Mengen.“
Rein biologisch betrachtet besteht die Materie Mensch bis hin zur DNA zweifellos aus Nährstoffen, deren Umwandlungsprodukten und Myriaden an Bakterien, die quasi mitessen und mitverdauen. Speisen und Getränke sollten also alle nötigen biologischen Zutaten für die gesamte Körperchemie liefern – von Zellbaumaterial über Energiequellen bis hin zu unersetzlichen „Stoffwechselmitarbeitern“ wie Coenzymen und Cofaktoren. Und da sich das individuelle Zell- und Mikroben-Universum in ständigen Aufnahme-, Umbau-, Aufbau-, Abbau-, Adaptions- und Ausscheidungs-Prozessen befindet, brauchen diese unzähligen Stoffwechsel- und Verdauungsvorgänge laufend materiellen Nachschub an Nährstoffen und Bakterien.
Nährstoffdicht und ausgewogen
Die Ernährung sollte daher ausreichend Makro- und Mikronährstoffe für ein reibungsloses Funktionieren des Organismus liefern: Wasser, komplexe Kohlenhydrate, wertvolle (z.T. essenzielle) Fette und Proteine, lebensnotwendige Vitamine, Mineralstoffe/Spurenelemente sowie Ballaststoffe und vitale Bakterien. Hingegen sind „leere Kalorien“ aus Softdrinks, Fastfood und sonstigen zucker- und industriefettreichen Fertigprodukten weder nachhaltig sättigend noch gesundheitsförderlich. Im Gegenteil: Die Basis für eine menschengerechte und köstliche Vitalkost sind wertvolle (nährstoffdichte!), frische und möglichst biologische Lebensmittel aus denen möglichst ausgewogene Gerichte gestaltet werden.
Was auf den Teller soll
Das Vital-Teller-Modell zeigt, wie einfach sich Mahlzeiten aus guten Zutaten ausgewogen kombinieren und gezielt aufwerten lassen – und zwar ganz nach persönlichem Gusto vegetarisch, vegan oder mischköstlich. Daraus ergibt sich ein ausgewogen-gesundheitsförderlicher Nährstoff-Mix in jeder Mahlzeit – egal ob zu Hause oder auch beim gezielt-modifizierten Bestellen im Gasthaus.
Ein ausgewogener Vital-Teller besteht aus etwa
- 2 Handvoll Gemüse inkl. Salat und Kräuter
als kalorienarme Ballaststoff- und Vitalstoff-Quellen - 1 Handvoll Kohlenhydrat-Quellen
in ballaststoffreicher Vollwertqualität - 1 Handvoll nachhaltige Protein-Quellen
als essenziell nährende Körperbaustoffe - 1–2 Esslöffel wertvolle Fett-/Öl-Quellen
als wichtige Baustoff- und Energiespender - optional: 1 Miniportion Süßes
als einzige konzentrierte Zuckerquelle - Wasser (und ungesüßte Spielarten) als Hauptgetränk, Flüssigkeits- und Mineralstoffspender
Anregung für die Küche
Mit diesem Prinzip lassen sich traditionelle Rezepte leicht in gesunde, nahrhafte Vitalteller umwandeln. Bestes Beispiel: Der klassische süße Kaiserschmarrn befriedigt nur kurz, weil die vielen Kohlenhydrate (Weißmehl, Zucker und Obstmus/-röster) den Blutzucker und die Süßgelüste steigern. Er lässt sich aber leicht in eine grüne Vital-Variante umwandeln: Der Kräuter-Kaiserschmarren liefert mit aromatischen Kräutern und Frühlingszwiebeln (im Teig) sowie einer großzügigen Salatbeilage reichlich Ballast- und Vitalstoffe, Bio-Eier und (Heu-)Milch steuern wertvolles Protein bei. Gemeinsam mit Wildkräutersalat und Sauerrahm-Dip ist er ein wunderbarer Sattmacher und eignet sich perfekt als Hauptspeise.
Buchtipp
Mehr Rezepte für die Vitalküche (darunter auch der Kräuter-Kaiserschmarren) gibt es ab Juli 2026 im Buchhandel: Alpine Vitalküche (von Karin Hofinger)



