Erschienen in LIBRATUS Magazin 02/2026
Was geschieht, wenn sich Industrie-Vertreter zu gut mit Regierungen und Kommissionspräsidentinnen verstehen und wenn gleichzeitig alle anderen brav dabei mitmachen.
Wenn nicht ärztliche Erfahrung und Expertise zählen, sondern der globale Multimilliarden-Deal, dann bestellt auch das österreichische Gesundheitsministerium im Jahr 2020 für seine knapp 9 Millionen Einwohner insgesamt 70 Millionen Impfdosen gegen eine einzige neuartige Viruserkrankung. Was war die Idee dahinter? Sollte jeder einzelne in Österreich lebende Mensch, vom Neugeborenen bis zum Greis, innerhalb von zwei Jahren mindestens 7 Impfdosen erhalten? Das machte weder medizinisch Sinn, noch wäre es logistisch durchführbar gewesen. Ganz abgesehen davon kann nicht jeder Mensch bedenkenlos mit einer kaum getesteten Substanz geimpft werden – Säuglinge, Kinder und Schwangere zum Beispiel auf keinen Fall. Eine Impfstoffbestellung in dieser Größenordnung war also entweder nicht durchdacht – oder eben von Interessen abseits von Gesundheit getrieben. Kostenpunkt: Rund 1,1 Milliarden Euro – allein für die österreichischen Steuerzahler, wohlgemerkt.
Bezahlt und nicht abgeholt
Bis heute hat Österreich insgesamt rund 26,2 Millionen ungenutzte Impfdosen vernichtet. Weitere Dosen wurden millionenfach an andere Länder gespendet, zum Teil ist nicht mehr nachverfolgbar, wo sie gelandet sind, sie sind „verschwunden”. Nur rund 22 Millionen Dosen wurden nachweislich in Österreich verimpft. Wer die Grundrechnungsarten beherrscht und über epidemiologische Grundkenntnisse verfügt, wundert sich nicht darüber. Doch wie konnte es überhaupt zu einer so unerhörten Geldverschwendung kommen?
Der Ablauf lässt sich im Rechnungshofbericht zur COVID-19-Impfstoffbeschaffung aus dem Jahr 2023 nachlesen. Demnach beschlossen die EU-Mitgliedstaaten am 18. Juni 2020 die gemeinsame Beschaffung der Impfstoffe unter dem Vorsitz der Europäischen Kommission. Diese schloss im Auftrag und im Namen der meisten EU-Staaten, darunter auch Österreich, bis zum Dezember 2020 Vorkaufverträge mit acht Impfstoffherstellern ab. Zu jenem Zeitpunkt schätzte übrigens Österreichs Gesundheitsministerium die Gesamtkosten für die Impfstoffbeschaffung auf „über 200 Millionen Euro“ – ein Fünftel der tatsächlichen Ausgaben.
Ob die österreichischen Vertreter im EU-Lenkungsausschuss die genauen Vertragsinhalte kannten, lässt sich nicht sagen. Ein geleakter Vertrag mit BioNTech/Pfizer legt aber nahe, dass sie jedenfalls einige fragwürdige Inhalte kennen mussten. Denn jedes teilnehmende EU-Land unterzeichnete – zumindest mit BioNTec/Pfizer – ein Vaccine Order Form und wurde damit zum direkten Vertragspartner des Impfstoffherstellers, war dabei aber an die von der EU-Kommission ausgehandelten Bedingungen gebunden.
Knebelvertrag á la EU
Österreichs Vertreter setzten ihre Unterschrift unter einige sehr bedenkliche Klauseln. Darunter jene, dass die Studien zur Impfstoffwirksamkeit und -sicherheit noch nicht abgeschlossen waren, dass sowohl Wirksamkeit als auch Langzeiteffekte noch nicht bekannt waren und dass auch bisher unbekannte Nebenwirkungen bis zum Tod auftreten könnten. Die Impfstoffhersteller wurden gleichzeitig von jeglicher Haftung freigesprochen: Der Gebrauch des Impfstoffes erfolgte „unter der alleinigen Verantwortung der Mitgliedsstaaten der EU“.
Trotz all der Unsicherheiten begann umgehend die Impfkampagne zu laufen, unter dem Motto „Die Impfung ist sicher und wirkt“. Auch über den (nie existierenden) Fremdschutz wurden hemmungslos falsche Botschaften verbreitet. Was in der Medizin bisher undenkbar war: Die unzureichend getesteten Impfstoffe wurden sogar für Kinder und Schwangere empfohlen! Unsere warnenden Briefe an Ärztekammer, Gesundheitsministerium und verschiedene medizinische Fachgesellschaften blieben zum größten Teil unbeantwortet. Die Impfkampagne lief wie geschmiert.
Nicht nur Österreich, nicht nur die EU-Länder, sondern auch die Schweiz, die USA und asiatische Länder mussten schon ab 2022 Millionen von ungenutzten Impfdosen zerstören. Zum einen, weil diese nur begrenzt haltbar waren, zum anderen, weil sich eben nicht alle Menschen zu drei-, vier- und fünffachen Boostern überreden ließen. Doch Vertrag bleibt Vertrag. Es ist nicht schwer zu erraten, dass die Impfstoffhersteller insgesamt als Gewinner aus der Corona-Zeit hervorgingen.
Milliarden-Deal per SMS?
Knebelverträge ohne Haftung für unzureichend getestete Medizinprodukte, und das auf Kosten der Steuerzahler – das funktioniert nur, wenn Konzerne und deren Lobbies eng mit Regierungen zusammenarbeiten. Wie das laufen kann, lässt sich zum Beispiel unter dem Titel „Pfizergate“ nachverfolgen: Bis zu 1,8 Milliarden Impfdosen hat die EU-Kommission allein von BioNTech/Pfizer bestellt, jenem US-Pharmariesen, der schon zahlreiche Klagen aufgrund von Betrug, unlauteren Werbepraktiken und tödlichen Medikamententests an nigerianischen Kindern hinter sich hatte und dafür Milliarden an Strafen und Schadenersatz-Zahlungen leisten musste. Vertrauenswürdigkeit sieht anders aus. Berichten der New York Times zufolge liefen die Verhandlungen über die Covid-19-Impfstoffe nicht über offizielle Kanäle, sondern über private Textnachrichten zwischen der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem Pfizer-CEO Albert Bourla. Geschätzter Wert: 35 Milliarden Euro. Trotz mehrfacher Aufforderung und einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof hat die Kommission bis heute weder die Textnachrichten noch den Vertrag veröffentlicht.
Wer nicht zahlt, wird geklagt
Die finanziellen Auswirkungen dieser Verträge auf die einzelnen Länder sind massiv. Polen versuchte bereits im April 2022, aus dem Impfstoffvertrag mit Pfizer auszusteigen und weigerte sich die noch verbleibenden 60 Millionen Dosen abzunehmen. Weitere osteuropäische Länder folgten. Im November 2023 reichten Pfizer und BioNTech gegen Polen, Rumänien und Ungarn eine Klage vor einem Brüsseler Gericht ein, die der Pharmariese Anfang April 2026 gewann. Polen und Rumänien müssen demnach die vereinbarten Impfstoffe im Gesamtwert von 1,9 Milliarden Euro abnehmen, auch wenn diese direkt im Müll landen. Und das werden sie. Polen hat Berufung eingelegt. Das Urteil gegen Ungarn steht zu Redaktionsschluss noch aus.
Und Österreich? Laut Gesundheitsministerium sind die Abnahmeverpflichtungen für die Covid-19-Impfstoffe mit dem Jahr 2025 ausgelaufen. Eine Restmenge von rund 300.000 Dosen wird noch im Herbst 2026 ausgeliefert. Doch ein Ende ist nicht in Sicht: Gesundheitsministerin Korinna Schumann stellte in einer parlamentarischen Anfragebeantwortung in Aussicht, „weiterhin COVID-19-Impfstoffe für die Bevölkerung zu beschaffen“. Im Namen der Gesundheit natürlich.


